Grußwort

Grußwort Frau Dr. Hülya Düber

Mein persönlicher Datenverwalter, mein Sekretär, mein Lern- und Arbeitswerkzeug, mein Unterhalter, mein Nachrichtenübermittler, mein bester Freund und Lebensbegleiter oder doch einfach nur ein
Gerät? Das Smartphone ist Inbegriff und heutiger Standard „mobiler Digitalität“.

Keine Frage: moderne Medien vereinfachen das Leben und machen Spaß. Doch vor allem im Hinblick auf die Fürsorgepflicht für Kinder und Jugendliche müssen wir uns auch mit dem Konflikt- und Gefahrenpotential auseinandersetzen, insbesondere, um adäquate Präventionskonzepte daraus abzuleiten.
Hierbei geht es also nicht um eine Verteufelung oder Panikmache, sondern wir möchten dem Themenfeldern „Nutzung digitaler Medien“ und „Suchtprävention“ gerecht werden, um einen positiven Weg für einen eigenverantwortlichen und unproblematischen Umgang mit Medien zu bereiten. Vor allem im Hinblick auf die steigenden Zahlen computerspiel- und internetbezogener Störungen bei Jugendlichen, die sich, laut einer Pressemitteilung der Drogenbeauftragten vom August 2017 von 3% im Jahr 2011 auf rund 6% in 2015 fast verdoppelt haben, ist frühzeitige Prävention wichtig.
Wir blicken daher bereits auf kleine Kinder, die heutzutage selbstverständlich mit Tablet, Smartphone und Co. aufwachsen.
Laut aktueller BLIKK-Studie „…spielen 75% der Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren (U7-U9) bereits bis zu 30 Minuten mit Smartphones bei fehlender digitaler Medien-Nutzungs-Kompetenz“ (BLIKK Pressemitteilung vom 09.11.2016, BMG-Sucht-Kongress). Früher Medienkonsum hat, laut dieser
Studie, Auswirkungen auf die weitere (kindliche) Entwicklung.

Ab wann startet man also – zuhause, im Kindergarten oder erst in der Schule und wie kann eine „digitale Kompetenz“ aussehen, ohne dass sie Kindern schadet?
Die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung ist natürlich auch auf die Bildung zu übertragen (Broschüre zum 15. Kinder- und Jugendbericht). Es bestehe aber noch großer Handlungsbedarf, vor allem in der Aus- und Fortbildung der Fachkräfte, der digitalen Chancengleichheit und dem Jugendmedienschutz.

Bislang leisteten die Jugendlichen diesen Balanceakt, die „digitale Grenzarbeit“ meist allein. Doch auch hier entstehen Probleme und Konflikte. Wie sehen diese für Jugendliche in der digitalen Welt aus und wie geht man beispielsweise mit verletzendem Onlineverhalten um? Braucht es eine „digitale Fürsorge“, von der die Drogenbeauftragte, Marlene Mortler (Pressemitteilung vom 30.05.2017) spricht, um auch eine mögliche „Internetsucht“, die sich bei fehlender Medienkompetenz entwickeln könnte, zu verhindern oder läuft im „Normalfall“ alles gut?

Wie geht es Jugendlichen mit einer „Internet Gaming Disorder“, bei denen sich eine „gedankliche Vereinnahmung, Entzugssymptome, eine Toleranzentwicklung, Kontrollverlust, verhaltensbezogene Vereinnahmung, ein fortgeschrittener Gebrauch trotz negativer Konsequenzen, Dissimulation, dysfunktionale Stressbewältigung oder eine Gefährdung und Verluste“ zeigen (5 der 9 Kriterien müssen über einen Zeitraum von 12 Monaten erfüllt sein) und wie wird ihnen in stationärer Therapie und ambulanter Jugendhilfe geholfen?
Welche Schlüsse können wir daraus für die Prävention ziehen?
Gibt es beispielsweise Risikofaktoren oder besonders gefährdete Risikogruppen?
Was können Eltern, pädagogisches Fachpersonal und Lehrkräfte tun?
Gibt es empfehlenswerte Programme?
Wie kann sowohl bei den ehemals süchtigen Usern als auch bei allen anderen Kindern und Jugendlichen eine verantwortungsvolle Mediennutzung erlernt werden und eine gute Verschränkung mit dem realen Leben gelingen?

„Neben Dir und doch weit weg“ – so zeigt sich das äußere Bild moderner User. Wie sieht es in dem Menschen selbst aus und wie sind die tatsächlichen Auswirkungen auf die Person und das Umfeld? Wir beschäftigen uns an dem Fachtag mit diesen Themen, versuchen von Expertinnen und Experten Antworten auf diese und andere Fragen zu bekommen, immer mit der Absicht, starke Kinder und Jugendliche in ein freies, also unabhängiges und selbstbestimmtes Leben zu entlassen.

Ich freue mich, dass die Suchtpräventionsfachstelle und das Sozialreferat erneut in guter Kooperation diesen Fachtag organisierten und namhafte Expert/innen aus ganz Deutschland gewinnen konnten.

Für Ihr persönliches Engagement danke ich allen Beteiligten und wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine informative und bereichernde Veranstaltung.


Ihre Dr. Hülya Düber
rechtsk. berufsm. Stadträtin
Leiterin des Jugend-, Familien und Sozialreferats